Web3 und dezentrale Webanwendungen (dApps)

zuletzt aktualisiert: Mai 26, 2022 von dedefi

Moin. Heute werfen wir mal einen kleinen Blick auf eine der spannendsten Baustellen im Internet … das Web3. Eine Reihe toller Ideen und spannender Technologien mit großen Visionen aber auch noch viel Aufholbedarf. Ich zeige dir, was das Web3 ist, was verteilte Webanwendungen sind und erkläre dir, wie du das Web3 mit einer Browserwallet wie der Metamask benutzen kannst.

Was ist das Web3?

Es gibt keine einheitliche Definition davon, was das Web3 überhaupt ist und wie so oft mit solchen Schlagwörtern, wird es oftmals auch für Marketing oder anderen Unsinn missbraucht.

Die Grundidee von Web3 ist es den Besitz von kritischen Infrastrukturen im Internet mit Hilfe von Token an die Nutzer und Entwickler zu übertragen, um mehr Freiheit und Souveränität zu erreichen. Kryptowährungen und Dezentralität sind wichtige Teilaspekte des Web3, aber es geht darüber hinaus.

Im Web1 haben die Leute ihre eigene Infrastruktur betrieben, und statische HTML-Seiten oder später nervige Flashseiten gebaut. Das war so grob 1994 bis vielleicht 2004. Es waren viele Nerds unterwegs und vieles basierte auf offenen Standards und Protokollen. Ich hatte damals meine eigenen E-Mail-Server, einen IRC-Server zum chatten, meinen eigenen Webserver, etc. Da muss man schon echt Lust drauf haben, um sowas zu betreiben. Im Grunde konnten im Web1 viele Leute lesen, was einige wenige geschrieben haben.

Web2 wurde dann viel interaktiver und es wurde auch für „normale“ Nutzer sehr einfach, Inhalte nicht nur zu lesen, sondern auch zu erstellen. Die großen sozialen Netzwerke und Plattformen wie WordPress sind nur zwei Beispiele dafür, wie einfach es wurde, seine Inhalte mit der Welt zu teilen.

Mein guter alter IRC-Server wurde durch eine zentrale Plattform wie Slack ersetzt, die das ganze in eine hübsche Oberfläche verpackt hat. GoogleMail hat meinen Mailserver ersetzt, weil es einfach viel bequemer ist und sie das echt gut machen.

Die letzten 15 Jahre ca. war das der große Trend viele Technologien stark zu vereinfachen und zu zentralisieren. Das hat auch einige Milliardäre hervorgebracht, die von ihren Nutzern profitiert haben. Viele dieser tollen Webseiten sind zunächst für dich als Nutzer kostenlos. Aber oft, wenn etwas für dich kostenlos ist, bist du das Produkt. Viele dieser Webseiten verdienen ihr Geld damit, dass sie möglichst viele Daten über dich sammeln und diese dann an Werbetreibende verkaufen.

Wenn ich als Produkt beispielsweise einen Rasenmäher verkaufen will, kann ich zu Google gehen und sagen zeige mein Produkt 1.000 Leuten, die ein Eigenheim und einen Garten haben.

Dafür bezahle ich Google dann pro Klick auf meine Werbung einen bestimmten Betrag. Jemand, der in Berlin Mitte in einer Mietwohnung hockt, hat wohl wenig Bedarf für Rasenmäher. Ich kann also meine Werbung sehr gezielt ausspielen und meine Kunden erreichen.

Davon profitieren die Werbetreibenden und Google, weil sie beide dran verdienen. Nur du als Nutzer profitierst nicht so wirklich, weil du dein Geld oft für irgendwelches Zeug ausgibst, das du vielleicht gar nicht brauchst und deine Daten verkauft werden. Vielleicht brauchst du aber auch gerade einen Rasenmäher und alles ist gut? Schwieriges Thema.

So arbeiten aber im Wesentlichen alle dieser Plattformen, die für dich kostenlos sind.

Die Nutzer haben aber von dieser Entwicklung ebenfalls profitiert. Denn durch die zentralen Strukturen wurde alles einfacher, hübscher und schneller. Selbst Nerds wie ich haben oft nur wenig Lust, ihre eigene Infrastruktur zu betreiben, weil es relativ aufwendig ist. Außerdem sind zentrale Infrastrukturen viel schneller zu entwickeln als dezentrale Protokolle. Die Umstellung von IPv4 auf IPv6 begleitet uns seit über 10 Jahren, die Umstellung auf HTTPS hat etliche Jahre benötigt und viele der alten Protokolle wie SMTP (E-Mail-Protokoll) oder IRC (Internet Relay Chat) sind praktisch im letzten Jahrzehnt alle stehen geblieben wohingegen ihre zentralen Konkurrenten wie Slack in kürzester Zeit neue Features hinzufügen.

Das Web2 hat sicher einige Schwächen aber es war auch eine Entwicklung, die sich aus Angebot und Nachfrage abgeleitet hat. Ich denke, das ist wichtig zu verstehen. Und auch wenn einige Idealisten immer wieder für mehr Datenschutz oder Dezentralität kämpfen, ist es leider den meisten Nutzern doch egal und sie legen mehr Wert auf Bequemlichkeit.

Trotzdem gibt es unter dem Schlagwort Web3 jetzt eine weitere Iteration. Web3 ist der Gedanke, dass wichtige Infrastruktur nicht nur von einigen wenigen kontrolliert und besessen werden sollte. Wir wollen also die Offenheit, Dezentralität und Transparenz von Web1 kombiniert mit der einfachen Benutzbarkeit von Web2. Im Web3 kann jeder von uns völlig transparent an solchen Plattformen teilhaben, in sie investieren, an den Gebühren verdienen. Von Lesern und Erstellern werden wir jetzt also im Idealfall mit dem Web3 zum Besitzer.

Anstatt dich also mit Google oder Facebook irgendwo einzuloggen, nimmst du deine Browserwallet. Anstatt nur das Produkt zu sein, wirst du also zum Teilhaber. Ein bisschen wie Aktien, aber offener, einfacher und transparenter.

Aktuell nutzen viele beispielsweise Gmail von Google. Google betreibt die Server für uns, sorgt dafür, dass Spam gefiltert wird, dass die E-Mails ankommen und alle Daten gesichert werden. Das machen sie bisher auch erstaunlich gut.

Ihr Geld verdienen sie damit, dass sie Daten über dich sammeln und dir Werbung anzeigen. Die Daten werden wiederum auch Werbetreibenden zur Verfügung gestellt, um die Werbung noch besser auf dich auszurichten.

  • Im Web3 würden wir jetzt alle beispielsweise ein ERC20 E-Mail-Mail Token z.B. kaufen. Dann gibt es ein paar Nerds, die Bock haben, E-Mail-Server zu betreiben. Dafür, dass sie das tun, erhalten sie solche E-Mail Token die sie dann wiederum in Kaffee und Essen umtauschen. Die Nutzer hätten selbst mehr Kontrolle über ihre digitale Identität und ihre Daten.
  • Im Web3 würden große Buchungsplattformen nicht 10-20% von jeder Buchung einstreichen, sondern die Benutzer könnten direkt sich austauschen.
  • Im Web3 wären Zahlungen für Inhalte oder Dienstleistungen direkt über diverse Token integriert und müssten nicht über zentrale Zahlungsdienstleister zu teuren Gebühren abgewickelt werden, die jederzeit willkürlich Konten sperren können. Das wäre, wenn man es richtig umsetzt, schon sehr reizvoll.
  • Im Web3 ist kritische Infrastruktur wie das Domain Name System nicht in der Kontrolle eines Staates und weniger Personen, sondern es gibt komplett dezentrale Alternativen wie den Ethereum Name Service (ENS), den wir alle mitgestalten und kontrollieren können.
  • Im Web3 gibt es Alternativen zu den quasi Monopolfirmen, die die großen Plattformen kontrollieren, an denen sich jeder beteiligen kann

Wenn man auch bedenkt, welchen großen Einfluss diverse zentrale Plattformen auf unsere Weltsicht, die Politik und andere Ereignisse haben, denke ich, dass hier Meinungsfreiheit und Freiheit von willkürlicher Zensur sehr wünschenswert wären. Die Politik hat sich in den letzten 20 Jahren aber in genau die andere Richtung entwickelt und fordert angeblich zu unserem Schutz immer mehr Überwachung, Kontrolle und Zensur.

Die Grundgedanken von Web3 von Umverteilung, mehr Dezentralität und Freiheit sind meiner Meinung nach sehr wichtig. Ob die Leute sich dafür interessieren und ob es am Ende dann auch wirklich so umgesetzt wird, ist derzeit noch nicht absehbar.

Auf dieser Webseite fokussieren wir uns in erster Linie jedoch auf DeFi, also dezentrale Finanzanwendungen und deren Funktionsweise. Die ganzen politischen Themen versuche ich in der Regel zu vermeiden, es sei denn, wir können sie direkt beeinflussen.

Aktuell ist das Ganze Web3 nur eine Idee und die Dezentralität die oft hervorgehoben wird noch sehr am Anfang. Es gibt auch diverse Kritiken und offene Fragen zu diesem ganzen Web3-Thema.

  • Wie definiert man überhaupt Dezentralität und ab wann ist ein Service dezentral?
  • Wie verwalten und aktualisieren wir dezentrale Anwendungen?
  • Wollen die Leute überhaupt eigene Server betreiben?
  • Wollen die Leute überhaupt „Teilhaber“ an irgendwas sein?
  • Wie sieht es mit der Benutzerfreundlichkeit aus?
  • Wollen die Leute überhaupt eigene Entscheidungen treffen, oder haben sie lieber jemanden, der für sie entscheidet?
  • Wer profitiert wirklich?
  • Wird dadurch nicht praktisch alles kommerzialisiert?
  • Wie werden die aktuellen Eliten aus Wirtschaft und Politik auf diese Entwicklungen reagieren?
  • Wer besitzt das Web3 wirklich, sind es die Nutzer oder Venture Capital Firmen und andere Strukturen?

Ich sehe den aktuellen Stand des Web3 noch als kritisch, weil es langsamer, schwieriger zu benutzen und komplizierter ist. Auch kann ich viele der obigen Fragen nicht beantworten. Es gibt aber auch einige Lichtblicke am Horizont.

Im Rest des Kapitels gibt es deshalb jetzt einige praktische Benutzungshinweise für das Web3. Denn ein großes Problem ist aktuell noch, dass die Seiten die es bereits gibt, oftmals nicht gerade benutzerfreundlich sind und viele Konzepte nirgendwo ausführlich erklärt werden. Benutzerfreundlichkeit wird aber der Schlüsselfaktor sein für die Anwendung neuer Technologien.

Distributed Apps (dApps)

Eine wichtige Grundlage des Web3 bilden verteilte Webanwendungen, die auch dApps genannt werden.

Der Begriff dApps steht für distributed Apps und beschreibt die Kombination aus einer Webseite und einem Smart Contract. In der Entwicklerwelt spricht man hier von Frontend (Also das, was du als Benutzer siehst / die Webseite) und Backend (meist irgendeine Form von Datenspeicher), also beispielsweise die Blockchain und das Ethereum-Netzwerk.

Im Idealfall wird die Webseite (das Frontend) komplett dezentral gehostet beispielsweise auf einem speziellen Dateisystem, das genau wie Ethereum auf tausenden Computern dezentral verteilt ist (z.B. IPFS). Dann hätten wir eine komplett dezentrale Webseite, die niemand mehr so einfach kontrollieren, manipulieren oder zensieren könnte. Die Kontrolle wäre dann über Token geregelt, die man möglichst fair an die Benutzer und Entwickler verteilt.

Da Daten in der Blockchain unveränderlich sind, würde das auch für den Code der dApp gelten. Wenn wir also beispielsweise eine dezentrale Exchange programmieren, könnte niemand im Nachhinein mehr die Regeln ändern und beispielsweise unfaire Gebühren erheben, Nutzerkonten sperren oder Gelder stehlen.

So oder so ähnlich könnte die Idealvorstellung von dApps aussehen und die dazu notwendigen Technologien entstehen gerade.

Aber meist ist das ganze Thema dApps nur Hype und die Sachen liegen ganz normal irgendwo auf einem Webserver oder bei Amazon in der Cloud. Dazu kommen unausgereifte Governance Modelle oder die Erkenntnis, dass unveränderlicher Code vielleicht doch nicht die beste Entscheidung ist und wir diesen dann doch veränderbar machen. Das erfolgt mit Hilfe des sogenannten ProxyPatterns, bei dem der Smart Contract hinter einer Anwendung nicht direkt angesprochen wird, sondern ein weiterer Smart Contract davor geschaltet wird der eine austauschbare Adresse mit dem eigentlichen Code enthält.

Also auch hier wieder, ähnlich wie im gesamten Web3, existieren einige gute Ideale und Vorstellungen und derzeit noch viele große Baustellen und ungelöste Probleme, die spannende Herausforderungen für alle Interessierten bieten. Vielleicht hilft es, das Thema eher als eine Art großes Forschungsprojekt für eine alternative Zukunft zu sehen.

Es passiert auch unglaublich viel in sehr kurzer Zeit in diesen Bereichen, so dass es schwierig ist, da immer den Überblick zu behalten. Wir gucken uns jetzt deshalb mal an, wie du DeFi-Web3-Anwendungen überhaupt grundsätzlich benutzen kannst.

Die Browserwallet Metamask als Eintrittskarte in die Welt des Web3 und der dApps

Wir haben jetzt gesehen, was das Web3 ist und erfahren, dass es im Idealfall aus verteilen Anwendungen dApps besteht. Die spannende Frage ist jetzt, wie man diese dApps und das Web3 denn benutzen kann. Das sehen wir uns jetzt an, denn alles was du dafür benötigst ist eine kostenlose Browserwallet wie Metamask.

Sicher ist dir auf einigen Webseiten schonmal der Login mit Google, Facebook und Co. begegnet. So ähnlich funktioniert das im Web3, nur das du dich mit deiner Browserwallet identifizierst und darüber auch alle Interaktionen mit der Webseite steuerst.

Wir betrachten viele der Inhalte hier am Beispiel von Metamask auf dem Desktop jetzt, weil es die mit Abstand am weitesten benutzte und verbreitete Wallet ist. Aber die Prinzipien sind wieder für die meisten anderen Wallets identisch. Da wir uns auf langfristiges Investieren fokussieren, solltest du das meist auch nur am Desktop machen. Mobile Geräte sind in vielen Bereichen unsicherer und bieten kaum Mehrwert.

Was ist Metamask?

Metamask ist eine Browsererweiterung, die jeder kostenlos für die gängigen Browser installieren kann. Mit Metamask kannst du dann beliebig viele Accounts erstellen, die jeweils einer Wallet entsprechen. Du kannst jede dieser Wallets auch mit deinem Hardwareledger absichern.

Du kannst Metamask hier kostenlos installieren: https://metamask.io/ (Prüfe bitte immer alle URLs mehrfach!)

Metamask zeigt dir die jeweiligen Token an, auf die du Zugriff hast und du kannst damit Transaktionen auf der Blockchain durchführen.

Im Netz gibt es zahlreiche gute kostenlose Anleitung für die Installation und Nutzung von Metamask und ich verlinke dir auf der Webseite noch einige dazu.

Wichtig ist das Grundprinzip von Metamask zu verstehen.

Metamask selbst ist nur eine grafische Oberfläche zu deiner Wallet. Du kannst damit beliebige Token in den bekanntesten Blockchains verwalten, jedoch werden diese niemals in deiner Metamask selbst gespeichert.

Alle Eingaben und Transaktionen, die du in Metamask machst, werden an einen Endpunkt des jeweiligen Netzwerkes wie Ethereum weitergeleitet.

Hinweis: Meist erfolgt das leider noch sehr zentralisiert über den Anbieter Infura, welcher tausende solcher Nodes betreibt. Du kannst aber auch selbst private RPC-Endpoints hinterlegen, wenn du beispielsweise eine eigene Node betreibst oder eine dezentrale Lösung nutzen möchtest. Das empfehle ich dann eher für Fortgeschrittene.

Hinweis: Einige Alternative Blockchains wie Cosmos besitzen auch eigene Wallets wie Keplr, die aber ähnlich wie Metamask funktionieren und Metamask unterstützt auch immer mehr dieser Alternativen Blockchains.

Mit einer Webseite mit Metamask verbinden

Jeder Benutzer hat eine oder mehrere eindeutige öffentliche Adressen. Du kannst praktisch in deiner Metamask beliebig viele Accounts erstellen, die dann jeweils komplett getrennt sind und eine eindeutige Adresse haben.

Bevor du die meisten der dApps benutzen kannst, musst du dich mit deiner Browserwallet verbinden. Das erfolgt entweder direkt über die Wallet wie Metamask, wenn du am Computer bist, oder aber es gibt Protokoll wie Walletconnect, die es dir ermöglichen, auch mobile Wallets zu verbinden.

Bei der Verbindung einer Wallet passiert erstmal noch nicht viel. Du übermittelst lediglich deine öffentliche Adresse, damit die Webanwendung deine Wallet sieht und dir später Anfragen schicken kann.

Oft wird zu recht davor gewarnt, sich mit nicht vertrauenswürdigen Seiten zu verbinden. Durch das reine Verbinden kann dir aber erstmal noch nicht so viel passieren. Du teilst dem Betreiber lediglich deine Adresse mit. Das ist vergleichbar mit dem Eintrag mit einer E-Mail-Adresse in einen Newsletter. Interessanterweise gibt es hier jedoch keine Verifizierung ähnlich einem Double-Opt-In.

Der Betreiber der Seite kann aber mit dieser Adresse mit Hilfe eines Blockexplorers jetzt sehen, welche Token du hast und könnte dir theoretisch auch Token zusenden.

Das Risiko ist an der Stelle also noch gering, aber trotzdem solltest du dich immer von unseriösen Seiten fernhalten.

Ein guter Tipp ist es, regelmäßig die verbundenen Seiten zu überprüfen und Seiten, die nicht mehr benutzt werden, zu entfernen.

Metamask hat dazu im Menü einfach die Option „connected Sites“ und dort kannst du diese auch verwalten.

Token Approval – ein Blankocheck für deine Token

Je nach dApp kann es passieren, dass noch weitere Berechtigungen abgefragt werden. Grundsätzlich kann mit deiner Wallet nichts ohne deine Einwilligung passieren, solange nur du die privaten Schlüssel hast.

Eine häufige Anfrage ist die Erlaubnis, Token zu verwalten. Im ERC20 Token Standard gibt es dazu die Funktion approve. Diese erhält als Parameter die Adresse der Wallet, die die Token verwalten darf und ein Limit, bis zu dem die Token ausgegeben werden können.

Wenn du nachher mit dezentralen Exchanges beispielsweise arbeitest, werden diese dich immer über die Browserwallet vorher fragen, ob sie deine Token ausgeben dürfen, bevor du einen Tausch durchführen kannst. Diese Abfrage der Berechtigungen musst du für jeden Token einmalig bestätigen, den du verwenden willst. Diese Bestätigung ist eine Blockchain Transaktion, die auch Gebühren kostet und dauerhaft festgehalten wird.

Die Adresse ist dann die jeweilige Smart Contract Adresse, beispielsweise der Exchange. Spannend ist hier noch das Limit. Aus Bequemlichkeit arbeiten viele Seiten einfach mit einem unbegrenzten Maximalwert. Das hat den Vorteil, wenn du später weitere Token tauschen möchtest, muss nicht nochmal nachgefragt werden.

Du kannst aber immer auch die Anzahl der Token auf den jeweiligen Maximalwert der Transaktion begrenzen. Also wenn du 10.000 Token XYZ hast, kannst du der Exchange erlauben, maximal 5.000 davon zu tauschen. Danach würde die Exchange erneut eine Erlaubnis abfragen.

Das ist eigentlich ein gutes Sicherheitsfeature, das jedoch in der Praxis aus Bequemlichkeit kaum genutzt wird.

Wenn du mit Token Approvals arbeitest, solltest du auch regelmäßig prüfen, ob einmal gegebene Approvals noch aktuell und notwendig sind. Du kannst beispielsweise auf der Etherscan Webseite den Token Approval Checker dafür nutzen. Dieser zeigt dir alle Berechtigungen an, die du jemals vergeben hast und gibt dir die Möglichkeit, diese auch wieder zu entfernen.

Diese Erlaubnis ist nämlich ansonsten zeitlich unbegrenzt, also wenn in 5 oder 10 Jahren jemand irgendeinen alten Smart Contract hackt, der noch ungünstige Berechtigungen von dir erhalten hat, wäre das nicht so schön.

Transaktionen

Der letzte Schritt bei der Benutzung einer dApp ist dann noch die eigentliche Transaktion, die ebenfalls wieder von dir bestätigt werden muss.

Im ERC20-Standard gibt es dafür die Funktion transfer, welche den Empfänger und den Betrag als Parameter erhält.

Jede Transaktion, die du über die Browserwallet durchführst, benötigt eine manuelle Bestätigung von dir. Wenn du wie empfohlen eine Hardwarewallet zusätzlich verwendest, werden dir dort auch nochmal alle Werte im Detail angezeigt und du musst manuell die Transaktion bestätigen.

Das ist manchmal etwas umständlich, aber dient letztendlich deiner eigenen Sicherheit und ist daher eine gute Sache.

Transaktionen werden auch immer in der Reihenfolge ausgeführt, wie du sie aufgibst. Erst wenn eine Transaktion auf der jeweiligen Blockchain bestätigt wurde, kannst du eine neue Transaktion durchführen. Noch nicht bestätigte Transaktionen werden als „Pending“ in der Wallet und auf den meisten Webseiten angezeigt. Du kannst diese Transaktionen in der Metamask auch beschleunigen, indem du die Gebühr erhöhst, oder aber auch wieder abbrechen, wenn du es dir anders überlegt hast.

Hinweis: Jede Transaktion in der Browserwallet hat eine eindeutige aufsteigende Zahl, Nonce genannt. Solltest du mal das Problem haben, dass eine Transaktion zu lange dauert, beispielsweise weil du die Transaktionsgebühren zu gering eingestellt hast, kannst du, indem du diesen Wert für eine neue Transaktion manuell überschreibst, die Transaktion korrigieren oder beschleunigen.

Je nach Art der Transaktion fallen auch wieder Gebühren an, deren Höhe dir immer in der Wallet vorher angezeigt werden.

Die Arbeit mit verschiedenen Netzwerken

Es gibt mittlerweile nicht nur eine Blockchain, sondern viele verschiedene. Wenn du mit Projekten auf unterschiedlichen Blockchains wie Ethereum, Binance oder Avalanche arbeitest, musst du diese vorher in der Browserwallet hinzufügen. Das Gleiche gilt auch für die unterschiedlichen Layer2-Lösungen wie Arbitrium oder Optimism.

Metamask unterstützt viele der wichtigsten Blockchains und du kannst beliebige Netzwerke auch selbst hinzufügen. Achte hier jedoch darauf, dass du unbedingt die korrekten Daten verwendest.

Wenn du eine dApp verwendest, musst du in Metamask auch das korrekte Netzwerk ausgewählt haben. Die meisten Seiten bieten dir dann aber auch automatisch an, das Netzwerk zu wechseln oder hinzuzufügen.

Hinweise zum sicheren Umgang in Web3

Erstelle mehrere Wallets und Accounts. Ich trenne diese jeweils nach Projekt oder Token. Das sorgt für etwas mehr Anonymität und Sicherheit.

Ein guter Tipp ist es auch, mit einem eigenen Browserprofil zu arbeiten, welches von deinem normalen Computeralltag getrennt ist. Noch besser ist es sogar, einen eigenen Benutzer für deine Kryptosachen zu erstellen oder gar mit einer virtuellen Maschine zu arbeiten, in der du nichts anderes machst. Die richtig paranoiden oder reichen unter uns, nehmen dafür dann sogar einen eigenen Computer, was jedoch nur sehr geringe zusätzliche Sicherheit gegenüber der virtuellen Maschine bringt. Eine bessere Alternative wäre hier noch eine Linux-Distribution auf einem USB-Stick installiert.

Dann gilt die Grundregel: Klicke niemals auf irgendwelche Links, die dir ungefragt zugeschickt werden. Niemals! Wirklich niemals! Nicht in Discord, nicht per Email, nicht per Telegram und für die Deutschen, auch nicht per FAX.

Die meisten sicherheitsrelevanten Vorfälle, wo jemand seine Token irgendwie verloren hat, passieren entweder durch das Verlieren der privaten Schlüssel (mangelnde Backups!) Oder durch irgendeine Form von Phishing-Angriffen, wo die Nutzer eine Dummheit gemacht haben, wie z.B. auf einen Link zu klicken. Wenn du diese beiden Sachen vermeidest, bist du schon sehr gut aufgestellt.

Auch ein guter Tipp: Speicher dir immer alle Seiten als Bookmark. Ich sehe viele Nutzer, die dann beispielsweise einfach Uniswap oder irgendeine andere Webseite googlen. Es ist aber ein Leichtes und passiert auch immer wieder, für solche Suchanfragen Anzeigen zu schalten, so dass eine Betrugsseite ganz oben erscheint. Google sperrt sowas dann zwar relativ schnell, aber das bringt dir wenig, wenn du mit deinem Klick schneller warst.

Wie für das gesamte Internet gilt auch im Web3, wenn etwas zu gut aussieht, um wahr zu sein, dann solltest du es genauer überprüfen. In der Regel wird dir niemand irgendetwas schenken, du gewinnst keine 10 Bitcoin aus heiterem Himmel und auch Elon Musk hat Besseres zu tun, als dir deine Token die du ihm schickst zu verdoppeln.

Das klingt so banal alles, aber es gab wirklich Webseiten auf denen Stand, schicke mir jetzt einen Ether und du erhältst zwei zurück. Darunter dann das Bild von Elon Musk und ein paar wirre Erklärungen. Diese Webseiten haben in kürzester Zeit Millionen verdient. Gier macht halt manchmal blind.

Decentralized Autonomous Organization (DAO)

Häufig wird im Rahmen von Web3 auch noch von DAOs gesprochen. Dezentrale autonome Organisationen, das klingt kompliziert, aber ist es eigentlich gar nicht und es ist meiner Meinung nach eines der spannendsten Web3-Konzepte.

Ein DAO ist ein Regelwerk in Smart Contract Form auf der Blockchain, welches die Kooperation zwischen verschiedenen Parteien voll automatisch, demokratisch und dezentral ermöglicht.

Ok ist noch nicht viel einfacher. Aber stell dir das vielleicht einfach wie eine dezentrale Firma vor und die Anteile der Firma werden per Token verteilt, die jeder Berechtigte kaufen kann. Dann haben beispielsweise 100 Leute die gleiche Anzahl an Token. Jeder von ihnen kann dann Vorschläge einreichen, sogenannte „Governance Proposals“ und alle anderen Tokenhalter können dann darüber abstimmen. Jeder hat genau so viele Stimmrechte, wie er Token hat. Ein sehr faires und transparentes System.

Einige der Webseiten in der Web3-Welt arbeiten genau nach diesem Schema und es werden sicher in diesem Bereich noch sehr viele spannende Entwicklungen folgen. Theoretisch könnte man ganze Staaten über derartige Mechanismen völlig transparent und fair abbilden.

Ein konkretes Beispiel wäre eine Hilfsorganisation. Jeder kann die Token kaufen und diese werden in einer gemeinsamen Wallet zunächst gespeichert. Alle Spender können dann, abhängig von der Höhe ihrer Spende, entscheiden, wofür die Gelder verwendet werden.

Das besondere daran gegenüber den bisherigen Lösungen ist die komplette Transparenz und das niemand irgendjemandem Vertrauen muss. Alles wird über öffentlich einsehbare Regeln in Form von Smart Contracts geregelt.

Ein anderes sehr bekanntes Beispiel im DeFi-Bereich ist MakerDAO. Du kannst den MKR Token auf nahezu allen Exchanges kaufen und erhältst damit gleichzeitig Stimmrechte. Auf der Webseite kannst du dich dann mit der Wallet, in der die Token sind, verbinden und an Abstimmungen über die Zukunft des Protokolls teilnehmen. Du kannst aber je nach Ausgestaltung solcher DAOs auch an eventuellen Einnahmen profitieren und vieles mehr.

DAOs könnten grade im Rechtswesen und für Firmen die Zukunft darstellen und es gibt einige Bundesstaaten in den USA beispielsweise, welche diese bereits Anerkennen. Europa hängt da leider wie immer stark hinterher, aber die Schweiz ist ein weiterer guter Standort, für solche Projekte, der etwas dichter an uns dran ist.

NFTs

Non fungible Token (NFT) sind ein wichtiges Konzept des Web3, dass wir auf dieser Webseite jedoch derzeit nicht behandeln werden. Aber trotzdem stellen sie einen wichtigen Baustein für das Web3 dar und können richtig eingesetzt, viele spannende Möglichkeiten bieten.

Ein NFT ist ein eindeutiger Datensatz auf der Blockchain, der beliebige Metadaten enthalten kann.

Jedes NFT ist einzigartig und daher auch der Name „Non fungible“. Ein „fungible“, also austauschbares Token, ist identisch zu jedem anderen. Jedes Eurostück ist genauso viel Wert wie jedes andere. Ein Ether kann gegen jeden anderen Ether getauscht werden und es spielt keine Rolle.

 Bei NFTs ist beispielsweise eine eindeutige URL zu einem Bild hinterlegt und daher unterscheidet es sich von jedem anderen und ist nicht beliebig austauschbar. Die Details für NFTs in der Ethereumwelt findest du in den ERCs 721 und 1155, welche ähnlich wie der ERC20 für Token, die Schnittstelle beschreiben.

NFTs waren 2021 einer der größten Wachstumsmärkte im Kryptobereich. Bilder von Affen wurden für Millionen gehandelt und es war eine wilde Zeit.

Theoretisch bieten sie auch spannende Möglichkeiten, beispielsweise als eine Art digitale Besitzurkunde oder Eintrittskarte. Denkbar wäre es auch, dass Künstler ihre Kunst in dieser Form verkaufen und auch an Weiterverkäufen profitieren. NFTs könnten auch interessant sein, um Zertifikate abzubilden und ich denke ein interessanter Bereich werden auch die Themen Metaverse und Gaming sein, wo du digitale Spielegegenstände als NFT abbildest.

Es gibt sicher noch viele weitere spannende Möglichkeiten, die wir in den kommenden Jahren sehen werden und ich denke, dass es sich weiterhin um einen stark wachsenden Milliardenmarkt handelt.

Kleines Fazit zu Web3

Unabhängig davon, wie du, ich oder der Rest der Welt grad zu dem Thema Web3 stehen, bietet es aber einige faszinierende Möglichkeiten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten und man sollte sich auf jeden Fall damit befassen, seine eigene Meinung bilden und vielleicht auch etwas dazu beitragen.

Denn das ist das Tolle am Web3: Du kannst es mitgestalten und wir stehen noch ganz am Anfang.

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